Woher kommt "pfiat di"/"pfiat eich" als Abschiedsformel im bayerischen Raum?

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Im südlichen deutschsprachigen Raum (Bayern und weiter südlich) Raum ist "pfiat di" bzw. "pfiat eich" eine übliche Grußformel zum Abschied.

Was bedeutet sie bzw. woher kommt sie (etymologisch gesehen)?

Tomalak

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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Südöstlich, nicht südlich. In Baden-Württemberg und der Schweiz ist das völlig ungebräuchlich, in Franken vermutlich ebenso. Im österreichischen Bairisch dagegen schon. Kurz: "Pfiat di" ist ein bairischer Dialektgruß. Die vermutliche Etymologie ist übrigens im Online-Duden erklärt.

– Hans Adler – 2015-04-07T07:51:43.110

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Ich möchte ergänzen, dass gerade dieser Gruß häufig gemeinsam mit einer grammatischen Rarität, dem Dual https://de.wikipedia.org/wiki/Dual_(Grammatik) verwendt wird: »Pfiat enk« wenn man sich von einem Paar (also zwei zusammengehörenden Personen) verabschiedet.

– Hubert Schölnast – 2015-12-12T20:39:24.367

1Im bayerischen Bairisch wird enk aber auch ganz allgemein als Ersatz für ihr verwendet; wenn man sich also von einer Gruppe (auch mehr als zwei Leute) verabschiedet, die man duzt, würde man pfiats enk(ch) sagen. – Jan – 2017-02-02T18:24:25.913

Answers

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In der langen Version würde man sagen:

Pfüat di Gott

was so viel heißt wie "Gott behüte Dich".

In der originalen Reihenfolge (Kommentar teylyn) "Behüt Dich Gott", verkürzt zu B'hüt di Gott.

Nachzulesen im Bairischen Wörterbuch.

Takkat

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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4...und ich hatte immer geglaubt, es hieße "Gott führe dich"... – Jan – 2011-05-25T12:24:48.587

2Und bhüt di wird zu Pfüidi. Interessanter Lautwandel von b+h zu pf und ü + i (nächster Silbe) zu üi oder ü+schwaches e. – rogermue – 2015-02-01T17:21:22.107

Könnte es nicht auch von "befehlen" kommen? (Psalm 37: ...befiehl dem Herrn deine Wege...) – tofro – 2017-02-02T14:58:12.713

Dann hätte es ja ursprünglich "Befehle dich Gott" geheißen, was weit weniger sinnvoll wäre. (Aber was heißt schon sinnvoll, wir sagen ja auch Grüß Gott.) – sgf – 2017-02-03T11:10:33.183

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bhiad di god -> pfiad di god... bh wird zu einem laut zusammengezogen: piad. wikipedia: (zweite lautverschiebung) "Die Verschiebung von /p/ → /pf/ erscheint im gesamten Oberdeutschen". (oberdeutsch sind sehr grob gesagt die deutschen dialekte mit ursprung aus dem gebiet von baden-württemberg und bayern bis südtirol). beispiel: engl. hemp <-> bairisch hampf <-> deutsch hanf ich schätze, hier hat sich die gleiche entwicklung vollzogen, was den ausdruck pfiadi womöglich bis ins frühmittelalter zurückreichen lässt. ist alles nur spekulation, ohne es mehrfach nachzuschauen hätte ich keine ahnung, was pfiad heißt...

temp

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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Meines Erachtens nach kommt es von „Führe dich Gott“. Das ergibt im Dialekt: „Fia di Gott“ bzw. "Fir di Gott". Und von da ist es sprachlich nicht weit zum „Pfia di Gott“ – in Oberbayern auch ausgesprochen: „Pfir di Gott“!

Dazu möchte ich etwas anmerken:
Im Österreichischen sagt man umgangssprachlich für "ich freue mich" "i gfrei mi" - für meine österreichischen Ohren klingt's mit dem extra "g" harmonischer. Ich habe kurz recherchiert, in der Linguistik nennt man das, wie es scheint, "Prothese".

Demnach erscheint es für mich logisch, dass aus "fia di gott" "pfia di gott" wurde; für mich klingt es harmonischer, Stichwort Satzmelodie. Mein Opa (Baujahr 1940) sagt zur Verabschiedung immer "pfiazi" - weiß aber nicht warum. Vielleicht eine Art sprachliche Verschleifung?

Stephanie

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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Ich weiß, es wird überall so erklärt, dass „pfiat/pfiad/pfia/pfir“ von „bhiad“ kommt.
Wobei wohl alle aus einer Quelle abgeschrieben haben und es – ohne nachzudenken und zu prüfen – weiterverbreiten … (Die nichtnachdenkende und nicht-quellenangebende Kopierer-Gemeinde ist erschreckend riesig!)

Die Erklärung meines Vorredners scheint schlüssig – scheint aber nur. Denn in Bayern wird man mit „Pfiat di Gott“ oder mit „B’hi(a)t di Gott“ verabschiedet.
Wobei ich schon auf einer Ortsausgangstafel „Fiat Enk Gott“ gesehen habe! (Vermutlich war das in Österreich.)

Die als Grund angegebene Lautverschiebung vom Englischen ins Bairische (?!?) ist aber gewaltig an den Haaren herbeigezogen... Und in „Bayrisches Wörterbuch“ (Webseite von einer Privatperson betrieben) ist doch keine sichere bzw. wissenschaftliche Quelle! Auch Wikipedia ist schon lange keine sichere Quelle mehr … leider.

Meines Erachtens nach kommt es von „Führe dich Gott“.
Das ergibt im Dialekt: „Fia di Gott“ bzw. "Fir di Gott".
Und von da ist es sprachlich nicht weit zum „Pfia di Gott“ – in Oberbayern auch ausgesprochen: „Pfir di Gott“!

Und wenn ich mir dann so einen Bauern mit seinem Pfeifchen im Mund vorstelle, wie er
„Fia/Fir di Gott“ sagt …

Vielleicht findet sich ja noch in einem alten Buch der Ursprung dieser segensreichen Verabschiedung … :-)
Bis dahin: Pfiats eich Gott! :-)

user25306

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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1Hast du dazu eine Quelle? – Gerhard – 2017-01-15T09:08:42.310

1Was für eine Lautverschiebung vom Englischen ins Bairische denn? – sgf – 2017-02-03T11:11:56.377

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Ich könnte mir noch vorstellen, dass es mit dem Pförtner an der Himmelstür zu tun hat. Quasi "mögest du gepförtnert werden".

1) Aus religiös geprägter Sprache, also der Wunsch, es möge/n dem/n Beglückwünschten am Himmelstor Einlass gewährt werden. 2) Als Abschied banaler, mündliche Begleitung zum Akt des vor die Türe setzen. 3) Als Glückwunsch bis zum (ungewissen) Wiedersehen, wie "es sollen Dir alle Türen aufgehen".

tar

Posted 2011-05-25T11:39:56.437

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Das ö in Pförtner würde zu einem ä-Laut werden; das r könnte in großer Nähe zum Allgäu auch als r verbleiben und nicht vokalisiert/diphthongisiert werden. Pfia Gott enthält aber eindeutig einen i Laut – das könnte also höchstens ein ü sein (Pfürtner?), und ein konsonantisch verbleibendes r höre ich selbst im Allgäu nicht heraus. – Jan – 2017-02-02T18:23:03.540